Ungleichheitsindex Chinas 2010
(WHO-Warnschwelle: 0,40)
Wanderarbeiter*innen ohne
städtische Sozialrechte
Tiananmen-Massaker:
Demokratiebewegung zerschlagen
Meldesystem: strukturelles
Werkzeug sozialer Kontrolle
Exponat 3.1 · Historisches Dokument
Als Studierende in Peking politische Reformen forderten, befahl Deng Xiaoping den Militäreinsatz. Schätzungen: zwischen einigen Hundert und mehreren tausend Toten. Wirtschaft ja — Demokratie nein.
Exponat 3.2 · Dokumentarclip
Chinas Industrialisierung wurde von Hunderten Millionen Binnenmigrant*innen getragen — den Mingong. Ohne Anrecht auf städtische Schulen, Gesundheitsversorgung oder Rente lebten sie in einem rechtlosen Parallelraum.
Exponat 3.3 · Systemanalyse
Deng versprach eine „harmonische Gesellschaft" — doch das System produziert strukturelle Ungleichheit:
Stadt vs. Land — Küstenprovinzen boomen, Hinterland bleibt arm.
Parteikader vs. Arbeiterklasse — politische Verbindungen bestimmen Zugang zu Kapital.
Wirtschafts- vs. politische Freiheit — das eine wächst, das andere wird aktiv unterdrückt.
Exponat 3.4 · Konzept
Das chinesische Meldesystem Hukou bindet Sozialleistungen an den Geburtsort. Wer vom Land in die Stadt zieht, verliert Ansprüche auf Bildung, Krankenversorgung und Rente.
Das System ermöglichte billige Industriearbeit — hielt aber Millionen Menschen dauerhaft in einem rechtlichen Zwischenraum gefangen. Ein struktureller Mechanismus sozialer Ungleichheit, der bis heute existiert.
Exponat 3.5 · Fotografie
Shanghai Pudong: Die glänzende Skyline steht für den Aufstieg der Küstenmetropolen — während das Hinterland zurückblieb.
Quelle: World Bank
Exponat 3.6 · Statistik
Der Gini-Koeffizient Chinas stieg von ~0,28 (1981) auf ~0,47 (2010) — weit über der WHO-Warnschwelle von 0,40.
Exponat 3.7 · Ökologie
Chinas Industrialisierung gehört zu den umweltzerstörerischsten der Geschichte. Smog in Megastädten, vergiftete Flüsse, Abholzung — der Preis für das Wirtschaftswunder wurde auch von der Natur bezahlt.
China ist heute der weltgrößte CO₂-Emittent — eine direkte Folge der industriellen Expansion seit 1978.
Stabilität ist das Wichtigste von allem. Ohne Stabilität gibt es keine Reform, keine Öffnung, keine Entwicklung.
— Deng Xiaoping, 1989 · Ausgesprochen wenige Wochen vor dem Tiananmen-Massaker — Stabilität als Rechtfertigung für Gewalt