Raum III · Soziale Kosten

Schatten des Wirtschaftswunders

Wachstum auf Kosten von wem? Ungleichheit, Unterdrückung und das Schweigen über Tiananmen.

Gini ~0,47

Ungleichheitsindex Chinas 2010
(WHO-Warnschwelle: 0,40)

300 Mio.

Wanderarbeiter*innen ohne
städtische Sozialrechte

4. Juni 1989

Tiananmen-Massaker:
Demokratiebewegung zerschlagen

Hukou

Meldesystem: strukturelles
Werkzeug sozialer Kontrolle

Tiananmen-Platz, Peking
© Wikimedia Commons · Gemeinfrei

Exponat 3.1 · Historisches Dokument

Tiananmen, 4. Juni 1989

Als Studierende in Peking politische Reformen forderten, befahl Deng Xiaoping den Militäreinsatz. Schätzungen: zwischen einigen Hundert und mehreren tausend Toten. Wirtschaft ja — Demokratie nein.

Video · Wanderarbeiter

Exponat 3.2 · Dokumentarclip

Die unsichtbaren Arbeiter*innen

Chinas Industrialisierung wurde von Hunderten Millionen Binnenmigrant*innen getragen — den Mingong. Ohne Anrecht auf städtische Schulen, Gesundheitsversorgung oder Rente lebten sie in einem rechtlosen Parallelraum.

Exponat 3.3 · Systemanalyse

Der innere Widerspruch

Deng versprach eine „harmonische Gesellschaft" — doch das System produziert strukturelle Ungleichheit:

Stadt vs. Land — Küstenprovinzen boomen, Hinterland bleibt arm.

Parteikader vs. Arbeiterklasse — politische Verbindungen bestimmen Zugang zu Kapital.

Wirtschafts- vs. politische Freiheit — das eine wächst, das andere wird aktiv unterdrückt.

Exponat 3.4 · Konzept

Das Hukou-System: Wachstum durch Kontrolle

Das chinesische Meldesystem Hukou bindet Sozialleistungen an den Geburtsort. Wer vom Land in die Stadt zieht, verliert Ansprüche auf Bildung, Krankenversorgung und Rente.

Das System ermöglichte billige Industriearbeit — hielt aber Millionen Menschen dauerhaft in einem rechtlichen Zwischenraum gefangen. Ein struktureller Mechanismus sozialer Ungleichheit, der bis heute existiert.

Shanghai Pudong Skyline
© Wikimedia Commons · CC BY-SA

Exponat 3.5 · Fotografie

Zwei Welten, ein Land

Shanghai Pudong: Die glänzende Skyline steht für den Aufstieg der Küstenmetropolen — während das Hinterland zurückblieb.

0.40 0.20 0.40 1981 2020 0.28 0.47

Quelle: World Bank

Exponat 3.6 · Statistik

Ungleichheit im Zeitverlauf

Der Gini-Koeffizient Chinas stieg von ~0,28 (1981) auf ~0,47 (2010) — weit über der WHO-Warnschwelle von 0,40.

Exponat 3.7 · Ökologie

Der ökologische Preis

Chinas Industrialisierung gehört zu den umweltzerstörerischsten der Geschichte. Smog in Megastädten, vergiftete Flüsse, Abholzung — der Preis für das Wirtschaftswunder wurde auch von der Natur bezahlt.

China ist heute der weltgrößte CO₂-Emittent — eine direkte Folge der industriellen Expansion seit 1978.

"

Stabilität ist das Wichtigste von allem. Ohne Stabilität gibt es keine Reform, keine Öffnung, keine Entwicklung.

— Deng Xiaoping, 1989 · Ausgesprochen wenige Wochen vor dem Tiananmen-Massaker — Stabilität als Rechtfertigung für Gewalt